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DEFENCE-Briefing
Das Update für Sicherheit, Industrie und Politik.

Ausgabe 03 | Dezember 2025

 

Sehr geehrte Damen und Herren ,

Europa befindet sich im Zentrum einer neuen sicherheitspolitischen Realität. Der Krieg in der Ukraine, Chinas strategischer Aufstieg und die Rückkehr harter Machtpolitik verändern die Grundlagen von Sicherheit, Industrie und Technologie – schneller als je zuvor.


Das DEFENCE-Briefing ordnet diese Entwicklungen an der Schnittstelle von Industrie, Sicherheit und Politik ein – für alle, die Europas Rolle in der neuen Sicherheitsordnung mitgestalten, finanzieren oder beliefern.

 

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Viel Spaß beim Lesen der aktuellen Ausgabe!

 

Rudolf Loidl
Chefredakteur INDUSTRIEMAGAZIN

TOP STORY
Defence Europe

Cleared for Action?

 

Der Zugang zur europäischen Verteidigungsindustrie ist anspruchsvoll: Zertifizierungen, Nachweispflichten, internationale Normen – und ein Markt, der trotz politischer Zeitenwende nur langsam in Fahrt kommt. Doch immer mehr mittelständische Unternehmen wagen den Schritt in den Defence-Bereich. 

 

Daniel Pohselt

 

Der europäische Verteidigungssektor erlebt die größte Investitionswelle seit dem Kalten Krieg: Allein die EU-Mitgliedstaaten haben 2024 rund 350 Milliarden Euro für Verteidigung ausgegeben – Tendenz steigend. Gleichzeitig öffnet sich der Markt nur langsam. Zwar sprechen Regierungen von „Zeitenwende“ und „Resilienz der Rüstungsbasis“, doch Beschaffungszyklen von 10–15 Jahren, fehlende Produktionskapazitäten und ein Mangel an zertifizierten Zulieferern bremsen die Umsetzung.

 

Wer heute in Defence einsteigen will, steht vor drei Haupthürden: Normen & Zertifizierungen: Schon der Einstieg erfordert teure Audits, Rückverfolgbarkeit bis zur Schmelze und umfangreiche Dokumentation. Kleine Fehler verzögern Projekte um Monate. Die Marktstruktur: Über 80 Prozent der europäischen Verteidigungsausgaben fließen an wenige „Primes“ wie Rheinmetall, KNDS, Airbus, Leonardo, BAE Systems oder Saab. Zugang erhält nur, wer spezifische Fähigkeiten nachweist – und wer bereit ist, jahrelang ohne garantierte Aufträge vorzuleisten. Politische Komplexität: Gegengeschäfte, nationale Interessen, Exportauflagen und geopolitische Vorgaben bestimmen, wer liefern darf. Kleine Länder wie Österreich haben kaum eigene Prüfstellen oder Förderprogramme – viele Unternehmen müssen Zertifizierungen im Ausland absolvieren, was den Einstieg verteuert.

 

Gleichzeitig herrscht ein massiver Kapazitäts- und Lieferantenmangel: Europa braucht tausende neue Zulieferer für Fahrzeuge, Elektronik, Sensorik, Munition und Logistiksysteme. Genau hier entsteht eine historische Chance für Unternehmen aus Maschinenbau, Metallverarbeitung, Elektronik oder Kunststofftechnik.

Österreichs Industrie beginnt diese Nische zu besetzen – mit Unternehmen, die ihre zivilen Kompetenzen in militärische „Fähigkeiten“ übersetzen. Wir haben uns einige davon angesehen:

 

Winkelbauer: Vom Baumaschinenprofi zum Defence-Zulieferer

Das oststeirische Familienunternehmen Winkelbauer fertigt seit Jahrzehnten robuste Baumaschinenkomponenten. Jetzt entsteht ein neues Standbein: militärische Anwendungen. Die Zertifizierung nach DIN 2303 (Q2) ist geschafft, der Aufstieg in die Königsklasse Q3 läuft. Diese Norm regelt das Schweißen von Wehrtechnik – jedes Materiallos wird abgenommen, jedes Bauteil rückverfolgt.

Winkelbauer arbeitet seit über 20 Jahren mit SSAB an hochfesten Stählen wie Hardox oder Armox. Heute entstehen in Anger bereits Bauteile für Transformatorenschutzgehäuse und Pioniertechnik für Österreich und die Schweiz. Der bürokratische Aufwand ist hoch, der heimische Standort aber im Nachteil: Österreich verfügt erst seit kurzem über eigene Prüfstellen, viele Zertifizierungen müssen weiterhin in Deutschland erfolgen.

Geschäftsentwicklung und Lieferketten sind dennoch vielversprechend. Die Erfahrung mit OEMs wie Liebherr oder Caterpillar schafft Vertrauen – und im Vergleich zur volatilen Baukonjunktur wirkt Defence fast planbar.

Booxit: Hightech-Logistik als militärische Fähigkeit

Während große Player ihre Strukturen adaptieren, baut ein oberösterreichisches Start-up an einer neuen militärischen Logistikarchitektur. Booxit entwickelt ein hochfestes, vernetztes Mehrweg-Boxensystem, das militärische Versorgung dezentralisiert und digitalisiert. Nicht das Produkt steht im Vordergrund, sondern die „Fähigkeit“: eine durchgehende Supply Chain vom Container bis zum unbemannten Boden- oder Luftfahrzeug.

Produziert wird im Verbund regionaler Industriepartner wie Polytec, Haidlmair, Moldsonic oder Ginzinger. Booxit nutzt damit freie Kapazitäten aus dem Automotive-Umfeld – ein Cluster, das durch den technologischen Wandel neue Geschäftsfelder sucht.

Das Konzept adressiert eine Schwachstelle moderner Kriegsführung: starre, verwundbare Logistikstrukturen. Mit Sensorik, dynamischer Datenanalyse und autonomen Transportoptionen wird jede Box zum Teil einer mobilen, resilienten Infrastruktur.

Booxit ist bereits bei europäischen Defence-Innovationsformaten präsent, das Bundesheer testet das System. Die Produktionsvorbereitung läuft – Ziel ist ein neuer logistischer Standard, vergleichbar mit dem Container in den 1960ern.

Kontron: Rechenpower für Radar, Sensorik und Kommunikation

Kontron in Linz positioniert sich nicht als Rüstungskonzern, sondern als IoT- und Embedded-Computing-Spezialist. Dennoch stammen mittlerweile rund zehn Prozent des Umsatzes aus dem Defence-Sektor. Geliefert werden robuste Rechnerplattformen für Sensorik, Radar, Kommunikation – Technologien, die ursprünglich für Industrie oder Medizintechnik entwickelt wurden und nun in militärischen Anwendungen eingesetzt werden.

Kontron arbeitet mit offenen Standards wie SOSA oder MOSA, was die Integration in Systeme von Thales, BAE oder Boeing erleichtert. Produziert wird global, aber der Trend geht zu lokaler Fertigung in Europa und den USA.
Strenge Normen wie ITAR, AS9100 oder nationale Zulassungen schaffen hohe Eintrittsbarrieren – Projekte dauern Jahre. Doch europäische Nachfrage steigt deutlich, insbesondere seit dem 100-Milliarden-Euro-Sonderfonds in Deutschland.

Heldeco: Präzision als Türöffner – aber politische Unterstützung fehlt

Der steirische Spezialfertiger Heldeco liefert seit Jahren große, hochpräzise Bauteile für Energie- und Luftfahrttechnik. Über EN 9100 erfolgte der Einstieg in die militärische Fertigung – etwa Komponenten für Radaufhängungen. Doch der Zugang zum Markt bleibt schwierig.

Geschäftsführer Helmut Dettenweitz kritisiert die fehlende politische Rückendeckung: Ohne industrielle Kooperationen oder Gegengeschäfte sei es kaum möglich, sich in europaweiten Defence-Projekten zu positionieren. Erste Lieferungen sind erfolgt, weitere Projekte in Entwicklung – doch Österreich müsse seine industrielle Kompetenz aktiver einbringen.

Schmees cast Langenfeld: Panzerstahl als Schlüsselqualifikation

Die deutsche Gießerei Schmees cast Langenfeld zeigt, wie hoch Hürden im Defence-Bereich liegen. Das Unternehmen besitzt eine der wenigen unabhängigen Panzerstahlzulassungen in Deutschland – ein Prozess, der Beschussversuche, Dokumentation und FAI-Prüfungen umfasst.

Erst mit dieser Zulassung wurde Schmees für Systemhersteller wie Rheinmetall oder KNDS sichtbar. Der Markt bleibt jedoch träge: Vorlaufzeiten sind lang, Aufträge kommen oft überraschend. Dennoch wächst der Wehrtechnikanteil deutlich, Projekte reichen erstmals bis 2030.

Die größte Herausforderung ist die Bürokratie: Teile liegen teils monatelang fertig im Werk, weil Freigaben durch BAFA oder WTD fehlen. Gleichzeitig steigt der Druck in der Industrie – immer mehr Gießereien aus dem Automotive-Bereich wechseln in die Munitionsproduktion.

EXPERTENANALYSE

"Ein Panzer gibt mehr Punkte als ein einzelner Soldat"

 

Andreas Rapp vom German Institute for Defence and Strategic Studies über Gamification in den Abwehrreihen der ukrainischen Streitkräfte, neue Bedrohungslagen und warum der Drohnenkrieg technologisch erst am Anfang steht.

Andreas Rapp

Herr Rapp, wenn man aktuell die Schlagzeilen über Drohnenvorfälle an europäischen Flughäfen liest – ist das Grund zur Sorge?

Andreas Rapp: Das sind ernst zu nehmende Vorfälle; auf diese Art der Bedrohung müssen wir uns einstellen. Wir erleben gerade eine Phase, in der sich Kriegsführung durch Drohnen fundamental verändert. Diese Entwicklung ist nicht nur Folge des Ukrainekriegs, sondern Ausdruck einer umfassenden technologischen Evolution. Drohnen werden zur omnipräsenten Waffe. Sowohl in staatlichen als auch in asymmetrischen Konflikten. Wenn das Maschinengewehr und der Stacheldraht die Waffen des Industriezeitalters waren, dann ist die Drohne die Waffe des Digitalzeitalters: klein, kostengünstig, vernetzt, und in der Lage, Sensor und Effektor in einem System zu vereinen. Sie kann beobachten, zielen und wirken und das ohne große Infrastruktur, ohne ausgebildete Piloten, mit Komponenten, die weltweit millionenfach verfügbar sind.

Das erklärt ihre militärische Attraktivität – aber auch ihr Risiko. Welche Dimension hat diese Bedrohung in Europa?

Rapp: Wir sehen derzeit eine Eskalation hybrider Aktivitäten Russlands. Es gab mehrere Vorfälle, bei denen Drohnen aus Belarus oder Russland in den Luftraum der NATO-Staaten eingedrungen sind, etwa über Polen. Das war klar attribuierbar. Andere Ereignisse – etwa Störungen an Flughäfen in Kopenhagen oder Schleswig-Holstein – sind schwieriger zuzuordnen. Aber wenn mehrere Drohnen gleichzeitig auftauchen, ist das selten Zufall. Das sind koordinierte Aktionen, oft mit psychologischer Absicht: Man will Unsicherheit erzeugen, die Funktionsfähigkeit westlicher Verteidigung testen, Zweifel an der Abschreckungsfähigkeit der NATO säen. Russland spielt hier ein kalkuliertes Spiel mit überschaubarem Risiko, aber hoher Wirkung.

Wie reagieren westliche Streitkräfte und Regierungen darauf?

Rapp: Deutschland und andere europäische Staaten investieren derzeit massiv in eine mehrschichtige Luftverteidigung aus weitreichenden Flugabwehrsystemen wie Arrow oder Patriot, mobilen Systemen zum Nahbereichsschutz wie Skyranger, aber auch Low-cost-Systemen wie Abfangdrohnen. Dieser Verbund ermöglicht die lückenlose Bekämpfung unterschiedlichster Ziele – ob es sich nun um Marschflugkörper, taktische ballistische Raketen, Flugzeuge oder aber Drohnen handelt. Die Ukraine hat darin die meiste Erfahrung, weil sie täglich hunderte solcher Angriffe abwehrt. Sie zeigt, dass es auf eine kluge Kombination aus Sensorik, elektronischer Kampfführung und effizienten Abwehrmitteln ankommt, nicht nur auf teure High-End-Technik.

Wie ist die Zuständigkeit in Deutschland geregelt, wenn Drohnen zivile Ziele oder Flughäfen bedrohen?

Rapp: Grundsätzlich ist die Bundeswehr für den Schutz militärischer Liegenschaften und beimilitärischen Bedrohungen im Luftraum zuständig, die Polizeien des Bundes und der Länder für die allgemeine Gefahrenabwehr. Aber die technische Aufklärung und Abwehr erfordern ein gemeinsames Lagebild für ganz Deutschland. Es wird also nötig sein, die Vernetzung und Koordination zwischen Bundeswehr, Polizeien und Betreibern kritischer Infrastruktur auszubauen. Und man wird sich fragen müssen, ob man zivilen Betreibern etwa von Flughäfen im Rahmen des Hausrechts eigene Abwehrbefugnisse einräumt. Denn es bringt nichts, mit einem Flugabwehrpanzer auf eine Drohne über dem Terminal zu schießen. Da braucht es technische Mittel wie Mikrowellen, Laser oder Netzwerfer, die präzise und risikoarm wirken.

Stichwort Mikrowellen- und Laserwaffen – sind das reale Optionen oder noch Zukunftsmusik?

Rapp: Beides existiert bereits als Prototyp. Hochenergetische Mikrowellenwaffen funktionieren in der Praxis erstaunlich gut, Laser ebenfalls. Entscheidend wird die Kostenfrage sein und wer die Waffen einsetzen darf. Diese Systeme können mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen, aber ihr Einsatz erfordert rechtliche Klarheit.

Sie ziehen Parallelen zu 9/11. Sehen Sie auch diesmal eine Phase des Lernens und Anpassens?

Rapp: Ja, absolut. Nach 2001 haben wir auf eine neue Qualität der Bedrohung reagiert – mit geänderten Gesetzen, neuen Sicherheitskonzepten, besserem Schutz kritischer Infrastruktur. Ähnliches passiert jetzt. Drohnen sind gekommen, um zu bleiben. Jede moderne Streitkraft muss lernen, mit ihnen zu kämpfen und sich gegen sie zu verteidigen. Das bedeutet auch, dass sich Demokratien wieder an ihre größte Stärke erinnern müssen: die Fähigkeit zur schnellen Anpassung, wenn der Druck groß genug ist. Dann entstehen in offenen Systemen plötzlich ungeheure Innovationskräfte. Etwas, das autoritäre Systeme so nicht leisten können.

Die Ukraine wird oft als Labor neuer Kriegsführung bezeichnet.

Rapp: Ich nenne das ein „Gewächshaus“ militärischer Innovation. Der Krieg zwingt zur rasanten Weiterentwicklung, aus Notwendigkeit und unter realen Einsatzbedingungen. Was dort in zwei Jahren passiert ist, entspricht sonst einem Jahrzehnt militärischer Entwicklung. Zu Beginn des Krieges sahen wir klassische Panzerkolonnen. Heute dominiert der Drohnenkrieg. Große mechanisierte Vorstöße sind praktisch nicht mehr zu sehen. Russische Angriffe erfolgen meist in kleinen Gruppen zu Fuß oder mit Motorrädern, weil alles, was größer ist, von Drohnen aufgeklärt und vernichtet wird.

Welche Rolle spielen Drohnen konkret im ukrainischen Gefechtsbild?

Rapp: Eine entscheidende. Die Ukrainer haben sogenannte „Drohnenlinien“ aufgebaut – Einheiten unmittelbar hinter der Infanterie, die ständige Aufklärung und Feuerunterstützung leisten. Daraus ist eine ganze neue Truppengattung entstanden: die Unmanned Systems Forces mit derzeit zwölf Verbänden beziehungsweise Großverbänden. Ihre Logik ist klar: Vor der eigenen Linie eine fünf Kilometer breite Zone schaffen, in der kein russischer Soldat lange überleben soll. Bis zu 15 Kilometer in die Tiefe soll kein Fahrzeug mehr sicher sein, und bis 50 Kilometer hinein werden Artilleriestellungen, Logistikeinrichtungen und Kommandoposten angegriffen. Das verändert die Kriegsführung fundamental, es vollzieht sich ein Wechsel von mechanisierter Bewegung hin zu digital gesteuerter Abnutzung.

Und diese Einheiten arbeiten digitalisiert, bis hin zur Datenauswertung?

Rapp: Ja. Jeder Drohneneinsatz wird dokumentiert und ausgewertet – technisch, taktisch und hinsichtlich des Ergebnisses. Im ukrainischen Führungs- und InformationssystemDelta gibt es dafür eine eigene Abteilung. Bemerkenswert ist auch die „Gamifizierung“ und Ökonomisierung: Erfolge werden in Punkten gemessen, die gegen neue Drohnen eingetauscht werden können. Ein Panzer gibt mehr Punkte als ein einzelner Soldat, und wer effektiv arbeitet, bekommt schneller Nachschub. Das schafft ein Anreizsystem, das Effizienz belohnt und Ressourcen ökonomisch steuert. In dieser Radikalität ist das neu und folgt sehr stringent der Logik eines Abnutzungskriegs.

Was lernen westliche Armeen daraus?

Rapp: Dass technologische Überlegenheit heute mehr denn je von Innovationsgeschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit zumeist digitalisierter Systeme abhängt. Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass kleine, flexible Strukturen mit digitalem Rückgrat großen konventionellen Armeen ebenbürtig oder gar überlegen sein können. Europa muss daraus lernen und in die Umsetzung kommen. Um vorbereitet zu sein und abschrecken zu können. Der Drohnenkrieg wird bleiben, und er wird Teil jeder sicherheitspolitischen Planung werden müssen.

Wie verändert das unsere Gesellschaft – mehr Militär im öffentlichen Raum, mehr Technik im Alltag?

Rapp: Ich glaube nicht, dass wir Panzer auf den Boulevards sehen werden. Die Drohnenabwehr wird technisch und dezentral sein. Vielleicht mehr Antennen, Sensoren, unscheinbare Kuppeln auf Dächern, aber keine sichtbare Militarisierung des Alltags. Sicherheit gegen Drohnen entsteht nicht durch martialische Präsenz, sondern durch glaubhafte technische Schutzfähigkeit. Wenn wir zeigen können, dass Systeme funktionieren, entsteht Vertrauen. Und ich bin überzeugt: Demokratien können sich anpassen. Wenn es darauf ankommt, sehr schnell und mit enormer Innovationskraft.

 

 

Oberstleutnant i.G. Andreas Rapp ist Militäranalyst des German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS) in Hamburg, dem sicherheitspolitischen Thinktank der Bundeswehr.  Der Stabsoffizier beschäftigt sich mit Fragen moderner Kriegsführung, hybrider Bedrohungen und der militärischen Nutzung neuer Technologien. Seine Analysen verbinden operative Erfahrung mit strategischer Forschung und finden Eingang in die Beratung militärischer Entscheidungsträger der deutschen Streitkräfte.

POLICY WATCH

European Defence Programm "Military Schengen" Oberstleutnant i.G. Andreas Rapp

Ende November hat das Europäische Parlament das European Defence Industrial Programme (EDIP) beschlossen und parallel das Military-Mobility-Paket 2025 („Military Schengen“) politisch auf Schiene gebracht – beides Bausteine der Defence Readiness Roadmap 2030. 

 

Ziele & Kernpunkte:

  • EDIP als Brücke bis 2027: Rund 1,5 Mrd. € für den Ausbau der europäischen Rüstungsproduktion und gemeinsame Beschaffung; EDIP schließt die Lücke nach ASAP und EDIRPA und unterstützt vor allem die Serienfertigung aus EDF-Projekten.

  • Lokale Wertschöpfung: Für EDIP-Projekte gelten strenge Content-Vorgaben (mind. 65 % Komponenten aus EU/assoziierten Staaten); ähnliche Schwellen werden in Brüssel inzwischen in der breiteren Industriepolitik (z. B. Industrial Accelerator Act) diskutiert.

  • Military Mobility Package / „Military Schengen“: Ziel ist ein EU-weiter Militärmobilitätsraum bis 2027; Truppenbewegungen sollen statt teils 30–45 Tagen Vorlauf künftig innerhalb von drei Tagen durch die EU möglich sein.

  • SAFE-Fonds & Drittstaaten: Der neue SAFE-Fonds (bis zu 150 Mrd. €) bleibt zentrales Dachinstrument – die Verhandlungen über einen Beitritt des Vereinigten Königreichs sind allerdings geplatzt; britische Unternehmen bleiben nur über Drittstaat-Regeln mit strikten EU-Content-Vorgaben eingeschränkt andockfähig.
  • Parallel dazu sollen Infrastrukturengpässe – rund 500 kritische Brücken, Tunnel, Korridore – mit einem Aufwuchs der Military-Mobility-Mittel (vorgeschlagen: 17,6 Mrd. € für 2028–2034, geschätzt ca. 100 Mrd. € Gesamtinvestitionen) adressiert werden.

    Für Industrieunternehmen bedeutet das: Noch stärkerer Fokus auf Dual-Use-Infrastruktur (Häfen, Bahn, Logistikdrehscheiben), die künftig aus CEF, EDIP, SAFE und nationalen Töpfen kofinanziert werden kann.

Ausblick & Bedeutung für Unternehmen

Für Rüstungs-, Sicherheits- und Industrieunternehmen zeichnen sich damit klare Linien ab:

  • Mehr EU-weite Ausschreibungen mit Local-Content-Auflagen: Wer von EDIP und SAFE profitieren will, muss seine Wertschöpfungsketten konsequent europäisieren – von Komponenten über Software bis Services. Lieferantenstrukturen, Standortentscheidungen und F&E-Kooperationen sollten auf die 65 %-Debatte (und mögliche höhere Quoten) ausgerichtet werden. 

  • Logistik, Transport, Infrastruktur werden strategisch: Rail-Operatoren, Hafenbetreiber, Schwerlastlogistiker und Bauindustrie rücken stärker ins Visier von Military Mobility – sowohl als Auftragnehmer für Ausbauprojekte als auch als Betreiber eines künftig stärker regulierten, priorisierten Netzwerks. 

  • Deutschland als Testfeld für beschleunigte Beschaffung: Mit dem BwPBBG können sich Prozesse in Deutschland – von der Angebotsphase bis zur Vertragsänderung – spürbar verkürzen. Für Unternehmen steigt der Druck, intern schneller, compliance-fest und dealfähig zu sein (Due Diligence, Exportkontrolle, Sicherheitsüberprüfungen, M&A-Strukturen). 

Der Winter 2025/26 wird damit zur entscheidenden Phase:

  • Die Umsetzung von EDIP,

  • die Ausgestaltung des Military-Schengen-Regimes

  • und die nationale Beschleunigung der Beschaffung (u. a. in Deutschland)
    entscheiden darüber, ob aus der angekündigten „Defence Readiness 2030“ tatsächlich skalierbare Produktions- und Logistikstrukturen werden – oder ob Fragmentierung und nationale Sonderwege weiter Tempo kosten.

DATEN & FAKTEN
Militär Mobilität

Die Ausgaben für miliitärische Logistik steigen - und fliessen vor allem nach Osteuropa. Europas Abschreckungsfähigkeit hängt nicht nur von starken Streitkräften ab, sondern davon, wie schnell sie im Ernstfall an der Front sind. Besonders im Baltikum kann rasche Verstärkung aus Europa darüber entscheiden, ob ein Gegner einen Angriff überhaupt wagt. Ebenso wichtig: Die Fähigkeit, Truppen im Konflikt dauerhaft zu versorgen, wenn Vorräte an der Front zur Neige gehen.

Quelle: EU-Kommission, GISCO 2025

Rudolf Loidl

Rudolf Loidl

Chefredakteur INDUSTRIEMAGAZIN

Daniel Pohselt

Daniel Pohselt

Chef vom Dienst
INDUSTRIEMAGAZIN

 

 

Armin Richter

Armin Richter

Präsident Milizverband Österreich und Konsulent für strategische Unternehmensführung

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