Ihr neuer Defence-Newsletter: Das Update für Sicherheit, Industrie und Politik
IM
Im Browser anzeigen

DEFENCE-Briefing
Das Update für Sicherheit, Industrie und Politik.

Ausgabe 01 | Oktober 2025

 

Sehr geehrte Damen und Herren ,

Europa steht an einem geopolitischen Wendepunkt. Der Krieg in der Ukraine, der Aufstieg Chinas und die weltweite Rückkehr der Machtpolitik prägen die industrielle wie sicherheitspolitische Agenda. Für Europa und unsere Industrie bedeutet das: Wir sind nicht länger nur Beobachter, sondern Teil der Antwort auf diese Herausforderungen.

 

Unser neuer Newsletter Defence Briefing ordnet die Themen an der Schnittstelle von Industrie, Sicherheit und Politik neu ein – für all jene, die Europas Rolle in einer neuen geopolitischen Sicherheitsordnung mitgestalten, finanzieren oder beliefern.

 

Von europäischen Verteidigungsfonds und Beschaffungsstrategien über supranationale Logistikprojekte oder Fertigungs- und Materialtechnologie-Trends bis hin zur Frage, welche Rolle mittelständische Unternehmen in Europas Rüstungsclustern überhaupt spielen können: Das Defence Briefing liefert Einblick, Orientierung und Überblick für Entscheider in Beschaffung, Industrie, Politik und sicherheitspolitischen Institutionen.

 

Abonnieren Sie hier das INDUSTRIEMAGAZIN Defence Briefing.

 

Rudolf Loidl
Chefredakteur INDUSTRIEMAGAZIN

TOP STORY
Grafik Wirtschaftswunder

Superjahrzehnt der Defence: Ein olivgrünes Wirtschaftswunder?

 

Die neue Bedrohungslage in Europa beschert der Rüstungsindustrie ein Boomjahrzehnt. Doch wie passt Militärtechnik zu den Geschäftsgrundsätzen klassischer Zulieferer – und wie gelingt die Konversion?

 

Von Daniel Pohselt, Rudolf Loidl

 

Fast drei Jahre lang rang die Industriellenfamilie Leibinger mit sich, nun ist die Entscheidung gefallen: Der christlich geprägte Maschinenbauer Trumpf ändert seine Unternehmensverfassung und ebnet damit den Weg in die Rüstungsindustrie. Für Europa ein Signal: Denn Trumpf gilt als global führend in der Lasertechnologie – von Chipfertigung über 3D-Druck bis zu Schneidanlagen.

Künftig könnten ihre Hochleistungslaser zum Beispiel bei der Drohnenabwehr eine Schlüsselrolle spielen: Strom statt Munition, die Kosten pro Einsatz dramatisch geringer als bei klassischen Systemen. Ein Einstieg ins Defence-Business – etwa, wie kolportiert, in Kooperation mit dem Rüstungshersteller Thales - würde Europa technologisch unabhängiger machen.

 

Sonderkonjunktur durch Konversion?

Trumpf wird damit zum Symbol für eine Zeitenwende: Wenn selbst ein pazifistisch geprägtes Familienunternehmen den Schritt in die Rüstungsindustrie wagt, zeigt das, wie sehr geopolitische Realität und industrielle Verantwortung mittlerweile ineinandergreifen.

 

Denn unser Kontinent steht sicherheitspolitisch unter Druck wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Krieg in der Ukraine, die unklare Rolle der USA und der geopolitische Aufstieg Chinas zwingen die EU-Staaten, ihre Verteidigungsbudgets massiv hochzufahren.

 

2024 beliefen sich die europäischen Militärausgaben bereits auf 326 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Mit dem Programm „ReArm Europe“ will die EU-Kommission nun bis zu 800 Milliarden Euro mobilisieren. Die Folge: Eine Sonderkonjunktur, die nur langsam in den Bilanzen und Auftragsbüchern der Industrie ankommt.

 

Pankl: Luftfahrt statt Motorradkrise

Ein Beispiel aus Österreich liefert Pankl. Jahrzehntelang war das Kapfenberger Werk auf Getriebeteile für KTM fixiert, doch mit der Insolvenz des Motorradbauers mussten die Kapazitäten neu verteilt werden. Heute fertigt man dort hochpräzise Komponenten für die Luftfahrt – vom Hubschrauberbauteil bis zum Triebwerkssegment.

 

CEO Wolfgang Plasser beziffert den militärischen Umsatz des Unternehmens auf rund 20 Millionen Euro pro Jahr, mit klarer Wachstumsprognose. Pankl Aerospace beliefert sowohl US-Programme wie das FARA-Helikopterprojekt als auch französische und italienische Kunden. „Wir erwarten einen noch stärkeren Aufbruch als bisher“, sagt Plasser. Doch er mahnt auch: Österreich müsse bürokratische Hürden abbauen und endlich einen funktionierenden Binnenmarkt für Defence schaffen.

 

Steyr Motors: Motoren für Panzer und Schiffe

Noch deutlicher profitiert Steyr Motors. Der oberösterreichische Antriebshersteller, mehrheitlich im Besitz der Münchner Mutares-Gruppe, hat Aufträge bis 2027 im Wert von fast 200 Millionen Euro in den Büchern. Zwei Drittel des Umsatzes stammen bereits aus Defence – mit Motoren für Spezialfahrzeuge, Boote oder als Hilfsaggregate für Kampfpanzer.

Besonders die Kooperation mit Rheinmetall sorgt für Fantasie: Steyr-Motoren sollen in künftigen Kampfpanzern wie dem „Panther“ eingesetzt werden. Auch international läuft das Geschäft: Ein Rahmenvertrag mit einem brasilianischen Kunden steht kurz vor Abschluss. CEO Julian Cassutti spricht offen von einem „Superjahrzehnt“ für die Branche.

 

Palfinger: Von Baukränen zur Marine-Logistik

Auch der Salzburger Kranhersteller Palfinger entdeckt Defence als Wachstumsfeld. Bislang macht die Sparte nur wenige Prozent des Umsatzes aus, doch die Projekte haben Gewicht: Bergefahrzeuge für das Bundesheer, Slipway-Systeme für die Marine in Singapur.

„Die Ausschreibungen sind entscheidend – Null oder Eins“, sagt Klaus Schreiber, Vice President Marine & Defence. Wer einen Auftrag verliert, sei oft für Jahrzehnte aus dem Rennen. Palfinger setzt deshalb auf engere Kooperation mit Integratoren und Werften – und profitiert von der Flexibilität seiner Produktion: Militärische Kräne können in denselben Hallen gefertigt werden wie zivile, lediglich Lackierung und Steuerungstechnik unterscheiden sich.

 

STI Steyr: Pinzgauer-Nachfolger in den Startlöchern?

Ein weiterer Player ist STI Steyr, ein Spezialfahrzeugbauer aus Oberösterreich. Das Unternehmen, hervorgegangen aus der Steyr-Daimler-Puch-Tradition, hat tausende Militär-LKW nach Saudi-Arabien exportiert und modernisiert. Nun hofft man auf den Zuschlag für ein Nachfolgefahrzeug des legendären Pinzgauer und des Puch G.

Am Standort Waldneukirchen wird bereits an Prototypen gearbeitet, ein weiterer Standort ist in Planung. „Wenn es erforderlich ist, können wir in neun Monaten produzieren“, sagt Eigentümerin Judith Ringer.

 

Fazit: Der Defence-Supercycle rollt

Trumpf, Pankl, Steyr Motors, Palfinger, Empl und STI Steyr – so unterschiedlich die Unternehmen, so gleich die Dynamik: Zivile Hightech-Kompetenzen kippen in die Verteidigung, klassische Zulieferer finden neue Märkte, und einst pazifistische Unternehmerfamilien revidieren Grundsätze.

Der „Supercycle“ der Defence-Industrie ist längst Realität. Für Österreich und Europa bedeutet er nicht nur volle Auftragsbücher und Investitionen, sondern auch eine neue Verantwortung: Industriepolitik ist heute Sicherheitspolitik.

CASE OF THE MONTH

Heckler & Koch entwickelt Drohnenabwehr

 

Der größte deutsche Hersteller von Handfeuerwaffen steigt in das Geschäft mit Drohnenabwehr ein.

Man habe dafür einen Auftrag bekommen, sagte Firmenchef Jens Bodo Koch in Oberndorf. Einzelheiten nannte er nicht. "Drohnen sind für Infanteristen eine unglaubliche Bedrohung, wogegen es bisher nur wenige Lösungen gibt."
In dem neuen Verteidigungssystem von Heckler & Koch werden Granatwerfer oder Granatmaschinenwerfer auf einem Fahrzeugturm installiert und mit einer Sensorbox ausgestattet, die dank Künstlicher Intelligenz Drohnen am Himmel erkennt und ihre Bedrohung einschätzt. Daraufhin wird die Granate so programmiert, dass sie in der Nähe der Drohne explodiert. "In der Luft entsteht eine Metallwolke, in die die Drohne reinfliegt und zerstört wird", erklärte Koch die Funktionsweise des Systems.

Bei der Drohnenabwehr arbeitet Heckler & Koch mit dem KI-Spezialisten Autonomous Teaming aus München zusammen. Von Rheinmetall kommen Steuerungskomponenten für die Granaten, und der Fahrzeugturm ist von einer slowenischen Firma. "Wir sind der Systemanbieter, der das alles zusammenführt." Man sei noch in der Aufbauphase des Projektes und habe erste Schießversuche gemacht, spätestens Ende des Jahres soll das Produkt fertig sein und verkauft werden.

 

"Systemanbieter".
Das neue Produkt ist ein Beispiel für den geänderten Kurs des Herstellers von Sturmgewehren, Maschinengewehren, Granatwerfern und Pistolen. Als der Vorstandsvorsitzende Koch 2018 bei der deutschen Rüstungsschmiede den Chefsessel übernahm, war die Firma ein klassischer Waffenfabrikant. Inzwischen versteht sie sich als "Systemanbieter", der Waffenkomponenten von Zulieferern einkauft und sie als Gesamtsystem mitverkauft - etwa Schalldämpfer und Gewehr-Optiken. Auch deswegen macht die Firma deutlich mehr Umsatz als früher.

Heckler @ Bernd Weißbrod / dpa / picturedesk.com

Zentrale des Waffenherstellers Heckler und Koch in Oberndorf, Baden-Württemberg (Quelle: Bernd Weißbrod / dpa / picturedesk.com) 

POLICY WATCH

Defence Readiness & Reduktion von Bürokratie
(DG DEFIS / Kommission)

Am 17. Juni 2025 hat die EU-Kommission das „Defence Readiness Omnibus“ präsentiert – ein Maßnahmenpaket, das die Rechts- und Verwaltungsrahmen für Verteidigungsinvestitionen straffen soll. Hauptziele: schnellere Genehmigungsverfahren, weniger regulatorische Hürden für Rüstungsvorhaben und Förderung einer „Wehrbereitschaft“ im gesamten Binnenmarkt. 


Zugleich schlägt Brüssel die Entbürokratisierung von Rüstungs- und Industrieprojekten vor — z. B. durch 60-Tage-Beschlussfristen für Verteidigungs-Genehmigungen und Ausnahmen bei Wettbewerbsvorschriften.

Deutschland: Beschaffungsreform & neue Industriepolitik
(BMVg / Industrie)

Deutschland bringt eine umfassende Reform des Rüstungsbeschaffungswesens auf den Weg: Mit dem „Planning and Procurement Acceleration Act“ (BwPBBG) sollen Verfahren beschleunigt, Schwellen für Ausschreibungen angehoben und Direktvergaben in dringenden Fällen ermöglicht werden. 


Parallel verabschiedete das Kabinett die neue Nationale Sicherheits- & Verteidigungsindustrie-Strategie als Folge der Zeitenwende: Fokus auf Schlüsseltechnologien, resilientere Lieferketten und eine engere Kooperation zwischen Staat und Industrie. 

EDF & Industriepolitik mit Verteidigungsbezug
Der European Defence Fund (EDF) setzt seinen Kurs fort: Für 2025 wurde ein Arbeitsprogramm mit rund 1,065 Mrd. € für kollaborative Forschungs- und Entwicklungsprojekte freigegeben. Ziel: europäische Verteidigungstechnologien fördern, Interoperabilität stärken, Fragmentierung reduzieren. 


Zugleich entstehen Initiativen wie DIVERIS, ein EU-Netzwerk zur Förderung von Vielfalt und Inklusion in der Verteidigungs- und Raumfahrtindustrie. Damit will die Kommission systematisch stärkeres Engagement in Bereichen wie Geschlechtergerechtigkeit oder Barrierefreiheit verankern.

DATEN & FAKTEN

Auf dem Papier stehen Europas Armeen China, Russland oder den USA kaum nach: Bei Personal, Reservekräften, Artillerie und Panzern liegen sie im Spitzenfeld. In der Luft und im All zeigt sich jedoch das Gegenteil, wie eine Studie von IISS, Dekabank und EY nahelegt – und der Munitionsmangel stellt die Einsatzfähigkeit zusätzlich infrage.

Militärische Ressourcen im Vergleich @ IISS (2024), Deka Bank, EY

Militärische Ressourcen im Vergleich: China, Russland, USA, Europa
(Quelle: IISS (2024), Deka Bank, EY)

EXPERTENANALYSE

"Das Spiel über die Bande kann Erfolg bringen"

 

Will Österreich bei der Reeuropäisierung der Vergabeketten für Militärtechnik nicht leer ausgehen, sollte es - wie im Regierungsprogamm angekündigt - auf industrielle Kooperationen setzen, meint Reinhard Marak, Leiter der Stabsstelle Krisenmanagement und Sicherheitsvorsorge der Wirtschaftskammer Österreich.

Reinhard Marak

Auch wenn der heimische militärische Sektor in den vergangenen Jahrzehnten an die Verhältnisse in Europa angepasst wurde und Produktionskapazitäten verloren gingen, sind Österreichs Hersteller von Militärtechnik laut Reinhard Marak für die europäische Verteidigungsindustrie ein nicht zu unterschätzender Faktor. "In der Mobilität sind wir einfach gut", sagt Marak. Ebenso im Bereich persönlicher Bewaffung, wo mit Glock bis Steyr Arms prominente Firmen vertreten sind. Und bei der Aufgabe, Daten in ein Lagebild zu bringen, ist Frequentis an der Spitze. Werden durch die milliardenschwere europäische Initiative "Bereitschaft 2030" nun Österreichs Verteidigungstechnikfirmen eine Sonderkonjunktur erfahren?

Dies hängt extrem von den Kaufentscheidungen des jeweiligen Heimatstaates ab, sagt Marak. Frankreich etwa betreibt konsequentes Nearshoring, für Österreich mit seiner spezialisierten Verteidigungswirtschaft ergeben sich jedoch durch industrielle Kooperationen Chancen: So würde man sich bei der Vergabe an nicht-österreichische Verteidigungslieferanten - etwa aus nationalen Sicherheitsgründen - gewisse Zulieferkapazitäten für österreichische Firmen vertraglich zusichern lassen. "Dieses Spiel über die Bande kann Erfolg bringen ", sagt Marak. Die Niederlande machen dies gerade bei der Beschaffung der Embraer KC-390 erfolgreich vor.

EXPERTENTEAM
Rudolf-Loidl_ea20b7b3fd19ab95edeb7f389f55398f-1

Rudolf Loidl

Chefredakteur INDUSTRIEMAGAZIN

Spezialgebiet:
NATO-Strategien

Daniel Pohselt

Daniel Pohselt

Chef vom Dienst
INDUSTRIEMAGAZIN

 

Fokus:
Rüstungs-Konversion 

Bildschirmfoto 2025-09-30 um 19.41.41

Reinhard Marak

Wirtschaftskammer Österreich 

 

Schwerpunkt: 
Krisenmanagement und Sicherheitsvorsorge

Follow us!
Visit us!
YouTube
Link us!
Instagram
TikTok

Dieser Newsletter ist ein Premium-Produkt des INDUSTRIEMAGAZIN.

Copyright © 2022 WEKA Industrie Medien GmbH, All rights reserved.
www.industriemedien.at

Fügen Sie bitte die E-Mail-Adresse newsletter@industriemedien.at
Ihrem Adressbuch oder der Liste sicherer Absender hinzu.
Dadurch stellen Sie sicher, dass unsere Mail Sie auch in Zukunft erreicht.

Informationen zu unserem Datenschutz und den AGBs.


Our mailing address is:
WEKA Industrie Medien GmbH
Dresdner Straße 43 I 1200 Wien I Österreich
Tel:  01/40410

 

VON DIESEM NEWSLETTER ABMELDEN


Sie wollen von WEKA Industrie Medien GmbH keinerlei Informationen mehr erhalten?

Von sämlicher Kommunikation abmelden.